Verden. Hightech macht auch vor der Feuerwehr nicht halt. Kamen früher orangefarbene Lederjacken zum Einsatz, sind es heute Schutzjacken mit eingearbeiteten Spezialstoffen. Auch die übrige Ausrüstung wird regelmäßig angepasst. So verfügt der Gefahrgutzug über eine Wärmebildkamera.
„Die Wärmebildkamera ist bislang die einzige im Landkreis. Da sie zu den Messgeräten gehört, ist sie in unserem Gerätewagen Messtechnik untergebracht“, erklärt der Achimer Zugführer Frank Boblat. Der Gefahrgutzug besteht aus Mitgliedern aller sechs Achimer Ortsfeuerwehren. Kommen sie zum Einsatz, steuern sie alle Orte im Landkreis an, ihre Fahrt kann beispielsweise bis nach Barme führen.
Im Jahr 2009 gab es zehn Einsätze für die Wärmebildkamera. Diese Zahl hat der Gefahrgutzug nun schon im laufenden Jahr erreicht. „Das Einsatzspektrum ist vielseitig. Oft kann man in den Zeitungen lesen, dass sie zur Suche von Glutnestern bei Bränden eingesetzt wurde“, sagt Frank Boblat. Besonders vorteilhaft ist die Technik in stark verqualmten Räumen. Sieht man kaum die Hand vor Augen, zeigt einem der Monitor die Temperaturunterschiede an. Beispielsweise strahlen Möbel eine andere Wärme ab als ein menschlicher Körper. „Gerade im Innenbereich kann eine Wärmebildkamera Leben retten“, so Frank Boblat.
Auch auf großen Flächen kann das Gerät warme Körper aufspüren. Wird zum Beispiel ein Demenzkranker aus einem Heim vermisst und wird spät am Abend in einem Feld vermutet, kann ein Feuerwehrmann mit der Drehleiter in die Luft gehoben werden. Auf dem Monitor würde er die Person sofort finden, auch wenn sie mit bloßem Auge wegen der Dunkelheit niemals sichtbar wäre – außer sie versteckt sich hinter einem Erdwall.
Speziell für den Gefahrgutzug bietet die Wärmebildkamera noch viele weitere Vorteile. Beispielsweise lässt sich durch sie erkennen, wie weit ein Kesselwagen mit Flüssigkeit befüllt ist. Auch Öl, das auf einer Wasseroberfläche treibt, kann lokalisiert werden, ebenso austretende Gase. Eine weitere Einsatzmöglichkeit ergibt sich zum Deichschutz bei Hochwasser. „Wir können feststellen, an welchen Stellen ein Deich besonders durchweicht ist. Die Oberflächentemperatur ist in diesen Fällen wegen des Wassers anders als die der Umgebung. Das erkennt die Technik und kann die Unterschiede auf einem schwarz-weiß-Monitor ausgeben“, so Frank Boblat.
Hilfreich war die Wärmebildkamera bei einem Schwelbrand in Kirchlinteln. Bei einem Wohnhaus in Holzrahmenbauweise bestand die Dämmung aus Zellulose. „Es gab keinen Qualm. Der Einsatzleiter war sich unsicher, was zwischen den Wänden los war und wollte deswegen keine Elemente einreißen lassen“, sagt Frank Boblat. Mit der Wärmebildkamera konnten die schmorenden Zellulose-Bereiche lokalisiert und abgelöscht werden, und das, ohne großen Schaden zu verursachen. „Das Feuer hätte sich durch alle Wände gefressen. Irgendwann wäre das Haus hochgegangen“, beschreibt der Zugführer.
Auch die Feuerwehr Oyten musste schon um Unterstützung bitten. In einem Seniorenheim hatte die Brandmeldeanlage ausgelöst. Es roch nach Rauch, doch die Feuerwehr vermochte trotz aufwändiger Suche keinen Brandherd zu entdecken. Mit der Wärmebildkamera konnte die Ursache schnell ermittelt werden. In einem Schaltkasten war ein Elektroteil durchgeschmort. Gefahr für die Heimbewohner bestand nun nicht mehr. „Mit bloßem Auge war nichts zu sehen“, sagt Frank Boblat. Doch die Technik birgt auch Tücken. Beispielsweise, wenn die Feuerwehrleute schlecht ausgebildet sind. „Unsere Leute müssen die Wärmebilder lesen können“, sagt der Zugführer. Mit den Brandbekämpfern trainiert er regelmäßig in der Atemschutzstrecke der feuerwehrtechnischen Zentrale.
Da eine Wärmebildkamera im Notfall Leben retten kann und auch sonst eine große Hilfe für die Einsatzkräfte ist, wünscht sich Frank Boblat, dass jeder Angriffstrupp mit der Technik ausgestattet wird. „Doch leider ist die Kamera mit 8000 bis 15000 Euro pro Gerät sehr teuer. Deshalb können sie sich nicht alle Kommunen leisten“, so der Gefahrgut-Experte.
Auch nach Einsätzen hilft die Wärmebildkamera den Feuerwehrleuten. Während der Löscharbeiten zeichnet das Gerät durchgängig das Geschehen auf. Den Film können die Brandbekämpfer nach Einsatzende auf jedem Computer auswerten.